Hintergrund der PraxisLeitlinie Primäre Kopfschmerzerkrankungen



Primäre Kopfschmerzerkrankungen

Kopfschmerzen – häufigste und am häufigsten bagatellisierte Gesundheitsstörung in den Industrienationen der westlichen Welt. Zwischen 70 bis 90% aller Erwachsenen und eine steigende Zahl und Kindern und Jugendlichen leiden – mal mehr, mal weniger – mal häufiger, mal seltener – unter Kopfschmerzen. Für viele Menschen in Deutschland gehören Kopfschmerzen zum Alltagserleben, wie der Kaffee zum Frühstück und nicht wenige Betroffene haben bei Ihren Bemühungen zur Linderung ihrer Beschwerden bislang nur wenig Hilfe erhalten.

Dabei hat sich die Behandlung von Kopfschmerzen in den vergangenen Jahren zu einem der erfolgreichsten und faszinierendsten Bereiche der modernen Medizin entwickelt. Zahlreiche pathophysiologische Mechanismen und viele Ursachen von Kopfschmerzen wurden aufgedeckt und neue Wirkstoffe und Behandlungsmöglichkeiten entwickelt. Gleichzeitig wurden jahrzehntelang tradierte Mythen und irrationale Behandlungskonzepte als unwirksam enttarnt und im Gegenzug das Problem Kopfschmerz, wie auch die darunter leidenden Menschen aus der Grauzone der Hypochondrie befreit.

Kopfschmerzen können heute präzise klassifiziert und diagnostiziert werden. Aktuell werden über 250 Hauptformen von Kopfschmerzen unterschieden, für die meisten von ihnen existieren in der Praxis einfach umzusetzende und auf klinischen bzw. phänomenologischen Faktoren basierende operationale Diagnosekriterien. Für die meisten Betroffenen ist eine konkrete Diagnosestellung wichtig und auch therapeutisch zielführend, da die meisten Kopfschmerzformen präzise und spezialisiert behandelt werden können. Bei den weit verbreiteten Kopfschmerzformen, insbesondere den beiden Hauptvertretern der sog. primären Kopfschmerzerkrankungen – der Migräne und den Kopfschmerzen vom Spannungstyp, spielt die Vorbeugung durch Verhaltensanpassung, Wissen und Information eine entscheidende Rolle. Gleichzeitig steht Kopfschmerzpatientinnen und -patienten heute eine Vielzahl moderner und innovativer Medikamente zu Verfügung, die – wenn gezielt eingesetzt – ebenfalls entscheidend zur Besserung beitragen können.

Mit der vorliegenden DGS-PraxisLeitlinie zu primären Kopfschmerzen haben die beiden verantwortlichen Leitlinienautoren Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Hartmut Göbel und Dr. med. Axel Heinze einen weiteren Meilenstein der DGS-PraxisLeitlinien entwickelt. Obwohl dem Teilbereich der sog. primären Kopfschmerzen gewidmet, ergeben sich aus dem Studium der zahlreichen Empfehlungen und Informationen auch vielfältige Ansatzpunkte und Anregungen für eine erfolgreiche und patientenorientierte Behandlung symptomatischer Kopfschmerzen.